Mrz 012012
 

„Glücklich ist der, dem sein Geschäft auch zur Puppe wird.

Der mit dem Selbigen zuletzt noch spielt, und sich an dem 

ergötzt, was ihm sein Zustand zur Pflicht macht!“

Johann Wolfgang von Goethe

 

Ich genieße die  Vielfalt meiner Mitmenschen, die Eigenheiten und Persönlichkeiten.

So kann ich eine schweigende oder lesende Kundin sicherlich genauso genießen, wie Eine
die mir von ihren Urlaubserlebnissen, vom Ärger mit dem Chef oder ihrer aktuellen Familiensituation
erzählt. Besonders schön finde ich den Austausch. Es bereichert mich! Warum?

Nun, ich hatte es schon auf einer anderen Seite erläutert:
Je persönlicher und fließender sich die Beziehung zwischen mir und der Kundin entwickelt,
umso persönlicher und fließender entwickelt sich die Frisur. Steht man sich nah, oder besser,
versteht man sich, dann gibt man sich als Persönlichkeit zu erkennen.

Das heißt nicht, dass man als Friseurin oder Kundin viel plappern muss. Auch eine „Ich will jetzt einfach
nur mal die Augen zu machen und NICHTS tun- Kundin“ fließt.

Aber eigentlich, liebe Frauen, seien wir ehrlich, sind wir doch immer nur am plappern.
Wir besprechen, tauschen aus, beraten uns gegenseitig.

Nun ist es natürlich für mich als Friseurin ein spezieller Status, denn ich darf meine Kundinnen und Kunden
anfassen. Diese Berührung muss angenehm sein. Außerdem öffnet uns das  nochmal auf einer ganz
anderen Ebene. Oder verschließt. Es gibt nämlich Menschen die genau DAS nicht mögen. Empfindet meine Kundin
oder Kunde Berührung als angenehm, dann ist die erste Voraussetzung geknackt. Wir öffnen uns
für einander und manchmal schießen Dinge heraus, mit denen man nicht gerechnet hat.

Einem befreundeten Psychologen, der mich  scherzhaft „Kollegin“ nannte, antwortete ich: „Ja, ich mache das selbe
wie Du, nur das ich nebenbei noch was arbeite.“ 😉

Aus professionellen Gründen darf ich folgendes natürlich nicht sagen.

Aus menschlichen Gründen tue ich es aber trotzdem…

Eine verängstigte, oder verunsicherte Kundin, die vielleicht viele schlechte Friseur- Erfahrungen
gemacht hat, ist eine spezielle Herausforderung. Ebenso eine Neukundin, die herein kommt und
mich in den ersten Sekunden, aus ganz persönlichen Gründen als „unpassend“ einstuft.

Ist Ihnen das schon mal passiert?

Sind Sie schon mal in ein Amt gekommen, oder einen Kindergarten, eine Schneiderei oder in irgend
ein anderes Dienstleistungsunternehmen, und hatte in der ersten Sekunde das Gefühl:
„Ohje, mein Gegenüber wird mein Anliegen niemals zu meiner Zufriedenheit erledigen“.
Man traut es dem Gegenüber einfach nicht zu. Einfach so.
Nun steht man aber vor diesem Mensch, traut sich nicht zu gehen, oder zu sagen:
„Kann das bitte die Kollegin übernehmen?“, und muss da einfach durch. Man fängt an verunsichert
zu fragen, prüft  nochmal nach, wird nervös, genervt, unzufrieden. Kontrolliert jeden Schritt
der dann auch immer verunsicherten Dienstleisterin.

Die Energien dieses Zusammenspieles können auf zweierlei Arten ein Ende nehmen.

Entweder schafft es die Dienstleisterin die Kundin durch das Abholen ihrer Ängste zu beruhigen,
oder sie kann nur alles falsch machen.

Stellen Sie sich diese Situation einfach mal  auf IHREN Job projiziert vor….

Die Lösung des Problems liegt wie immer in der KOMMUNIKATION!

Herauszufinden ist:

  •  Warum geht meine Kundin nicht gerne zum Frisör? oder
  • Was an meiner Person verunsichert sie?

Schauen wir uns erst einmal folgende Tatsache an:

Sie gehen einfach nicht gerne zum Frisör!

Die häufigsten Argumente von Kunden:

  • Verlorene Zeit! In der Zeit könnte ich etwas ganz Anderes, wichtigeres tun.
  • Ich mag es nicht, wenn an mir herumgeschnippelt wird, weil
  • ich Berührung nicht mag
  • ich keine Kontrolle darüber habe wie (kurz) es wird
  • Ich mag Friseurläden nicht (Ambiente, Geruch…)
  • Ich mag Friseure nicht (weil meine Mutter, als ich Kind war….)
  • Ich mag es nicht, wenn andere Leute mich SO sehen
  • Ich mag es nicht, die ganze Zeit vor dem Spiegel zu sitzen
  • Ich bin danach immer enttäuscht, nie krieg ich was ich will, keiner versteht mich
  • Ich habe eine Schnitthaarallergie (gibts wirklich!)
  • Ich mag die ganzen, duftenden Produkte nicht

Was ist der Grund dafür, dass SIE nicht gerne zum Friseur gehen?

 

Eine Freundin hat Ihnen einen neuen Friseur empfohlen. Jetzt beleuchten wir, aus welchen Gründen Sie
vielleicht verunsichert sein könnten. Sie betreten den Laden und stellen fest:

  • Der Typ Mensch gefällt ihnen nicht, Chemie passt nicht
  • Sie sieht nicht aus, wie SIE sich eine Friseurin vorstellen (geschminkt, hochtoupiert, wild gefärbt, moderner Kurzhaarschnitt…)
  • Sie wirkt unerfahren
  • Sie erinnert Sie an jemanden, mit dem sie schlechte Erfahrungen gemacht haben
  • Der Laden, das Ambiente  gefällt ihnen nicht
  • Sie fühlen sich unverstanden
  • Sie ist Ihnen einfach nur unsympathisch